«Am Schluss entscheiden die Kunden»

3. Dezember 2019 agvs-upsa.ch – Martin Haefner, Amag-Inhaber und -Präsident, hat der «NZZ am Sonntag» ein seltenes Interview gewährt. Darin spricht er unter anderem über seinen ersten Arbeitstag beim Autoimporteur und -verkäufer, die Klimadiskussion und die Elektrostrategie von VW.

abi. Viel ist nicht bekannt über Martin Haefner, der im Jahr 2018 alleiniger Eigentümer der Amag wurde. Der 65-jährige ehemalige Mathematiklehrer, dessen Vermögen von der «Bilanz» aktuell auf 4 bis 4,5 Milliarden Franken geschätzt wird, gilt als bescheiden und öffentlichkeitsscheu. Nun gab er in der «NZZ am Sonntag» ein seltenes Interview und erklärte auch gleich, weshalb er kaum je öffentlich in Erscheinung tritt. «Weil meine Person nicht wichtig ist», sagte er. «Das lebte bereits mein Vater vor.» Auch er habe sich so immer wohlgefühlt und lange gedacht, er würde für immer Mathematiklehrer bleiben. Die Frage nach der Amag-Nachfolge habe er «etwas verdrängt».
 

Den Quereinstieg wagte er schliesslich aus einer «Mischung aus Interesse, Pflichtbewusstsein und Pragmatismus» – stellte sich aber auch da nicht in den Vordergrund. «Mir war aber immer klar: Die Amag hat ein Management, welches der Öffentlichkeit das Autogeschäft besser erklären kann als ich.» Die Schweiz sei vielleicht das einzige Land auf der Welt, in dem man in seiner Rolle ein so diskretes Leben führen könne. Als er dann 2005 seinen ersten Tag im Büro hatte, habe es keine besondere Begrüssung gegeben. «Die Sekretärin legte mir die Post hin, und danach hatten alle etwas zu tun. Mir kam plötzlich die Einsicht: Mich braucht es ja gar nicht, es arbeiten ja alle.» Es habe einige Jahre gedauert, bis er als Quereinsteiger seine Rolle gefunden und gewusst habe, was er im Auge behalten müsse und was nicht.

Ein Thema des Interviews war die Klimadiskussion und deren Bedeutung für die Amag. Haefner erklärte, dass es einen Modellmix mit alternativen Antriebssystemen brauche, um die Emissionswerte einzuhalten. «Aber am Schluss entscheiden natürlich die Konsumenten.» Zur Elektromobilität und dazu, ob die Schweiz mehr machen müsse, um ihr zum Durchbruch zu verhelfen, äusserte sich Haefner kritisch. Wenn man die Elektromobilität pushen wolle, müsse man wohl mit Anreizen wie Subventionen arbeiten. «Aber ich frage mich, ob das nachhaltig ist und ob elektrisch angetriebene Autos über den ganzen Lebenszyklus wirklich eine bessere CO2-Bilanz haben.» Vielmehr möchte er, dass die Marktkräfte spielen – also dass die Elektroautos und die Infrastruktur so gut sind, dass die Kunden unbedingt E-Autos kaufen wollen.

Haefner war denn auch überrascht, als VW Anfang Jahr einen radikalen Wechsel vollzog und in Zukunft voll auf die Elektromobilität setzen will. «Ich habe nicht gedacht, dass der gesellschaftliche und politische Druck auf die Automobilindustrie so gross wird. Ich hätte einen langsameren, pragmatischeren Übergang vorgezogen.» Als langjähriger Partner von VW würden sie diese Strategie jedoch voll mittragen. Die Amag werde aber über die Elektromobilität hinaus noch lange Zeit viele weitere Ertragspfeiler haben, wie Haefner weiter sagte. Er denkt dabei an das traditionelle Geschäft mit Autos mit Verbrennungsmotoren und mit Occasionen. 

Er ist zudem davon überzeugt, dass die Menschen auch in Zukunft noch ein eigenes Auto haben werden. «Sie werden sich die Option für private, individuelle Mobilität nie nehmen lassen», sagte er. Der Grund: «Weil Menschen auch künftig nicht aufs Sammeltaxi warten wollen, sondern lieber selber entscheiden, wann sie losfahren. Weil sie im Auto telefonieren oder ihre Ruhe haben möchten. Und weil sie sich nicht in ein Auto setzen möchten, in dem der vorherige Nutzer Ketchup ausgeleert hat.» Die Mobilität in der Schweiz wird sich nach seiner Einschätzung daher in den nächsten fünf oder zehn Jahren gar nicht so gross verändern.
 

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