Darum verkürzen sich die Standzeiten

Bedarf an Occasionen

Darum verkürzen sich die Standzeiten

27. Juli agvs-upsa-ch – Occasionen stehen alle drei Monate im Schnitt drei Tage weniger lang beim Händler auf dem Hof. Und das nun schon seit einem Dreivierteljahr. Fahrzeuge, die vor einem Jahr ihren Weg ins Ausland oder zum Teileverwerter gefunden haben, werden heute wieder aufbereitet und weiterverkauft. Ein Experte ordnet die Situation auf dem Occasionsmarkt ein.

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Gebrauchte sind derzeit sehr gefragt, was sich auch direkt auf die Preisentwicklung auswirkt. Foto: AGVS-Medien 

mfi. Bei den schweizerischen Strassenverkehrsämtern waren Ende des vergangenen Jahres ca. 4,7 Millionen Personenwagen immatrikuliert. 2010 waren es noch 4,1 Millionen. Es wurden also in den letzten zehn Jahren im Schnitt jährlich immer mehr Personenwagen immatrikuliert. In der Konsequenz müssten daher auch mehr gebrauchte Fahrzeuge für längere Zeit bei Händlern auf dem Gelände stehen oder auf den Online-Börsen inseriert sein. Diese Hypothese trifft aber seit über neun Monaten nicht mehr zu. Im Gegenteil: Alle drei Monate stehen einzelne Fahrzeuge im Schnitt zwei bis drei Tage weniger lang herum, bis sie verkauft und wieder in Verkehr gesetzt werden. Dieser Rückgang der Standzeiten spricht eine deutliche Sprache. «Der Bedarf an Occasionen steigt kontinuierlich an», sagt René Mitteregger, Datenspezialist bei Auto-i-Dat und erklärt weiter, «durch globale Lieferengpässe, die Halbleiterkrise und den Krieg in der Ukraine konnten in den letzten zwei Jahren weniger Neuwagen ausgeliefert werden, als theoretisch im schweizerischen Markt verkauft werden könnten. Viele Konsumentinnen und Konsumenten schwenken stattdessen auf Occasionsautos um. Darum verkürzen sich auch die Standzeiten dieser Fahrzeuge immer mehr.» Diesen gesteigerte Bedarf spüren auch Händler und Garagisten und reagieren entsprechend. 

«Fahrzeuge, die vor einem Jahr noch exportiert oder ausgeschlachtet wurden, werden heute auch bei grösseren Mängeln durch Werkstätten für den Wiederverkauf in Stand gesetzt», sagt Mitteregger. Nur so könne der momentane Bedarf überhaupt gedeckt werden. Gebrauchte Personenwagen mit Dieselmotoren und Campingfahrzeuge erfreuten sich in den vergangenen Monaten ebenfalls sehr guter Verkaufszahlen. Es werden von den Herstellern viel weniger Autos mit Dieselmotoren produziert, diese seien deshalb aber laut dem Datenspezialisten bei der Schweizer Bevölkerung nicht weniger beliebt. Der Trend bei den Campingfahrzeugen erklärt Mitteregger so: «Während der Pandemie brach ein regelrechter Camping-Boom aus, da dies zeitweise die einzige Möglichkeit war, um zu reisen.» Mittlerweile seien die effektiven Verkaufszahlen für Campingfahrzeuge auf sehr hohem Niveau stagniert. Ein Grund dafür sei wohl, dass Flugreisen seit einiger Zeit wieder möglich sind und die Menschen wieder vermehrt auf diesem Weg reisen würden. Der Restwert eines gebrauchten Autos hängt in der Regel vom Neupreis eines Fahrzeugs ab. Momentan müssen diese Werte aber aufgrund der gestiegenen Nachfrage laufend angepasst werden. Für Leasingnehmer selbst und deren Händler, die ein Leasing anbieten, könne diese hohe Nachfrage im Occasionsmarkt gar lukrativ sein, meint Mitteregger: «Das Restwertrisiko der Leasingnehmer verpufft momentan sozusagen.» Händler und Leasingnehmer können daraus beide ein gutes Geschäft schlagen, ist sich der Datenspezialist sicher. Händler können den Kunden ihre Fahrzeuge zu guten Konditionen abkaufen und danach problemlos wiederverkaufen. Eine Win-win-Situation für beide Parteien. Auf die Fragen wie lang die Standzeiten sich noch verkürzen werden, wann die Lieferengpässe sich relativieren würden und ob der Markt für Occasionen bald komplett ausgetrocknet sei, will der Datenspezialist keine genaue Prognose abgeben. Er ist sich aber sicher, dass Hersteller daran interessiert sind, zeitnah Lösungen zu finden: «Hersteller werden ihre Produktionsstätten möglicherweise verlagern oder sogar neue errichten, um den Lieferengpässen entgegenzuwirken.» 
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