Die Gedankenspiele hinter einer Wasserstoff-Busflotte

22. Februar 2021 agvs-upsa – Die Schmidt AG in Oberbüren SG benötigt bis Ende 2024 eine neue Busflotte. Verfolgt wird eine Lösung mit Wasserstoffantrieb, die den Umbau der eigenen Tankstelle voraussetzt. 

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Quelle: Schmidt AG

mig. Das Fahrpersonal der Schmidt AG befördert Passagiere in der Region Wil, Uzwil und Bischofszell noch mit herkömmlichen Diesel-Fahrzeugen. Das Streckennetz umfasst zehn Linien. Jährlich legen die Postautos knapp zwei Millionen Kilometer zurück. Geschäftsführer Urs Schmidt sieht sich nun mit der Herausforderung konfrontiert, dass er bis Jahresende 2024 fünfzehn neue Fahrzeuge anschaffen muss. «Die Evaluierungsphase ist gestartet. Wir wollen noch stärker auf alternative Antriebe setzen», sagt er. Gezwungenermassen, denn bis 2050 soll der öffentliche Verkehr seine Energieeffizienz um 30 Prozent steigern und keine CO2 ausstossende Busse mehr einsetzen. Verschiedene Schweizer Verkehrsbetriebe wollen die Dieselbusse aus Eigeninitiative bereits bis 2030 ausmustern.

Momentan setzt die Schmidt AG die Busmodelle Volvo 8700 und Solaris Urbino ein. Sowohl die zwölf Busse von Solaris, welche die Euro 6 Normen erfüllen, als auch diejenigen von Volvo erreichen 2024 ihr Lebenszyklusende und sind zu ersetzen. Aus Sicht von Urs Schmidt gibt es dafür zwei Varianten: Rein elektrisch angetriebene Busse oder solche, die mit Brennstoffzellen ausgestattet sind und somit mit Wasserstoff angetrieben werden. «Da unser Betrieb heute auf die Zusammenarbeit mit Solaris ausgerichtet ist, soll diese möglichst fortgesetzt werden», erklärt er. In Frage käme derzeit der Bus-Typ Solaris Urbino Hydrogen. Die Brennstoffzelle fungiert als eine Art Mini-Wasserstoff-Kraftwerk an Bord des Busses. Dort wird Sauerstoff (O2) durch die Brennstoffzellen-Stacks geblasen und trifft auf Wasserstoff (H2), dabei entsteht Strom für den Antrieb. Gleichzeitig stösst der Bus nur Wasserdampf beziehungsweise Wasser (H2O) als Emission aus.

Eine Wasserstoff-Tankfüllung reicht für rund 350 Kilometer. Die Alternative wären E-Busse mit lediglich einer Reichweite von 150 bis 200 Kilometer. Nur schon die Postautos der Schmidt AG legen täglich zwischen 200 bis 400 Kilometer zurück. Der Zahlenvergleich verrät es: Urs Schmidt bevorzugt den Wasserstoffantrieb. «Bei einem Elektroantrieb müssten wir täglich zwischenladen.» 

Allerdings hält auch die favorisierte Wasserstoff-Lösung Hürden bereit. Die hauseigene Agrola-Tankstelle in Oberbüren, an der Diesel und AD-Blue bezogen werden kann, müsste umgebaut werden. Die Kosten werden auf rund eine Million Franken geschätzt. In den Tanks soll komprimiert gasförmiger Wasserstoff bereitgehalten werden. «Wenn nachhaltig, dann richtig mit komprimiertem Wasserstoff», sagt Urs Schmidt. 

In die Überlegungen fliesst ebenso die Tatsache ein, dass eine neue Wasserstoff-Tankfüllung pro Bus zwanzig Minuten in Anspruch nimmt. «Wir möchten es unseren Chauffeuren, die bis 01.30 Uhr Dienst haben, nicht zumuten, länger zu arbeiten», findet Schmidt. Sein Unternehmen beschäftigt 60 Postauto-Fahrer und acht Mitarbeitende in der Administration und im Fahrzeugunterhalt. Die Mechaniker bringen die nötige Ausbildung für Elektrofahrzeuge mit. Für Brennstoffzellen müsste geprüft werden, welche zusätzlichen Kurse verlangt werden. 

Die Möglichkeit, auf mit Biogas betriebene Busse zu setzen, wird derzeit übrigens nicht in Betracht gezogen. Der Einsatz von CNG-Bussen erlebte in den vergangenen Jahren europaweit einen Anstieg, mitunter weil bis zur nächsten Betankung 500 Kilometer absolviert werden können. Die ersten Gedankenspiele zeigen auf, dass die Schmidt AG bei der Ersatzbeschaffung des Fuhrparkes vor einer kostspieligen Herausforderung steht. Allein gelassen wird sie nicht, denn der Vertragspartner Postauto AG und der Kanton St. Gallen als Auftraggeber für den öffentlichen Verkehr sind wichtige Partner und Entscheidungsträger. «Beim Beschaffungsentscheid muss klar sein, wie beziehungsweise wer die Neuausrichtung der Busse mit alternativen Antrieben finanziert», sagt Urs Schmidt. Bevor deshalb ein Modell genauer angeschaut wird – zum Beispiel der Ende 2019 in Stockholm präsentierte Solaris Urbino Hydrogen –, will er sicher gehen, dass der Kanton und die PostAuto AG im selben Boot sind. Klar ist für Urs Schmidt aktuell nur: «Wir wollen auf nachhaltige Lösungen setzen, wir müssen uns bewegen.»

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Quelle: Solaris 
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